Gardasee Marathon

Vor dem Lauf

Nachdem ich im letzten Jahr aufgrund meiner Verletzung den Bonner Marathon leider absagen musste, probiere ich es in diesem Jahr erneut. Als Marathon-Veranstaltung habe ich mir den Gardasee Marathon ausgesucht. Der Start ist in Limone. Dann geht es am Westufer hoch nach Arco und am Ostufer zum Ziel in Malcesine.

Wir werden mit unserem Wohnmobil anreisen und den Lauf mit einem Urlaub am Gardasee und in der Toscana verbinden.

Bei dem Triathlon-Forum in Reddit habe ich mir abgeschaut, für einen Wettkampf nicht nur ein Ziel, sondern drei Ziele zu definieren. Da mir dies als eine gute Idee erscheint, übernehme ich diese Vorgehensweise.

Meine drei Ziele für diesen Lauf:

  • „Pulsstrategie“ 1-zu-1 umsetzen
  • Negativen Split laufen
  • Lächelnd ins Ziel laufen
  • Dies ist auch das erste Mal, dass ich mir keine Zielzeit vornehme. Zu oft bin ich daran gescheitert und die anschließende Enttäuschung war groß. Vielleicht ist mein neuer Weg der klügere. Die obigen 3 Ziele sind – bei gutem Willen – zu erreichen. Mal schauen welche Zeit sich mit diesem Ansatz ergibt.


    Zurück zur Vorbereitung

    Das Runalyze-Portal bietet unter anderem einen Prognose-Rechner für diverse Laufstrecken. Diese Angaben werde ich hier jeweils am Sonntag aktualisieren. Der Wert „Prognose mit MF“ (MF=Marathonform) berücksichtigt neben der allgemeinen Form auch die langen Läufe, die in der Vorbereitung bestritten werden. Aktuell liegen die beiden Prognosewerte deutlich auseinander. Dies sollte sich jedoch ändern, je näher der Wettkampf rückt.

    Aufgrund meiner Erfahrung mir den Prognosewerten, erscheint mir der Mittelwert eine realistische Vorhersage zu sein.

    Woche

    Prognose

    Prognose mit MF

    MF in %

    Mittelwert

    1 von 5

    3:19:41

    4:19:55

    31%

    3:49:48

    2 von 5

    3:19:24

    4:12:01

    35%

    3:45:53

    3 von 5

    3:20:15

    4:13:20

    38%

    3:46:48

    4 von 5

    3:19:01

    4:06:54

    42%

    3:42:27

    5 von 5

    3:18:17

    4:09:37

    39%

    3:43:57

    31.März

    Die Werte in der letzten Zeile habe ich 2 Tage vor dem Lauf eingetragen. Das Wetter soll am Sonntag bei 8 Grad trocken sein. Das ist optimales Laufwetter. Morgen holen wir die Startunterlagen in Riva ab. Meine Vorfreude steigt.

    01.April

    Wir haben gerade die Startunterlagen abgeholt. Wegen Corona leider keine Marathonmesse. In Riva noch ein wenig am See entlang gegangen und die KM-Schilder entdeckt.

    Folgende Rennstrategie habe ich im Kopf

    Kilometer

    Puls

    1-5

    145

    6-10

    148

    11-15

    150

    16-20

    153

    21-25

    155

    26-30

    158

    ab 30

    160+

    Nach dem Lauf: 11.April

    Ich habe einige Tage gebraucht um mein Ergebnis zu verarbeiten. Über erfolgreiche Ergebnisse lässt sich immer leichter berichten als über Niederlagen. Das war mein schlechtestes Marathonergebnis, welches ich bislang erzielt habe. In einer Zeit von 3:54:40 habe ich mich ins Ziel gequält.

    Woran lag es? Was waren die Ursachen? Zu allererst solle man Fehler immer zu erst bei sich selbst suchen. Ich habe nicht intensiv genug, genauer, nicht lange genug intensiv genug, trainiert. Es fehlten drei bis vier lange Läufe in der Vorbereitung. Ein Training über 7 Wochen ist einfach nicht die richtige Vorbereitung für einen Marathon.

    Meine Pulsstrategie hat sich schon nach dem ersten Kilometer in Luft aufgelöst. Am Anfang des Rennens ging es ziemlich heftig den Berg hinauf. Das war auf in der Ausschreibung so nicht zu erkennen. Ich hätte die ersten 2.500m ca. 5 Minuten langsamer laufen müssen, um meine Kräfte zu schonen. Das habe ich leider nicht getan und das am Ende des Rennens bitter bereut.

    Bis zum 29. Kilometer konnte ich eine Pace von 4:59 durchhalten. Das hätten für eine Zielzeit unter 3:30h gereicht. Aber dann hat wieder der berühmte Mann mit dem Hammer zugeschlagen. Aber dieses Mal so heftig, dass ich bis zum Ziel ca. 20(!) Gehpausen einlegen musste.

    Richtig frustrierend wurde es allerdings nach Kilometer 38. Da überholten mich die 3:45 Zielzeitläufer. Ok dachte ich, eine Zeit unter 3:50 schaffst Du trotzdem. Aber das ich dann auch dieses Hürde gerissen hatte, war schon frustrierend.

    Aus dem negativen Split ist es natürlich auch nichts geworden. Aber wie steht es um mein 3. Ziel aus, lächelnd über die Ziellinie laufen. Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht mehr. Meine Frau hat mir an Kilometer 40 aufmunternd gewunken. Dort habe ich definitiv gelächelt. Aber im Ziel? Wahrscheinlich war ich einfach nur froh, die Strapazen hinter mich gebracht zu haben und konnte auch nicht mehr lächeln.

    Ich habe (hoffentlich) viel aus diesem Rennen gelernt. Vor allen Dingen auch eine bittere Niederlage zu akzeptieren. Morgen früh schnüre ich das erste Mal nach diesem Rennen wieder meine Laufschuhe. Ich werde dabei lächeln; Ehrensache.